Hartmut Kaune

 

Trainer der ersten Stunde.

Wenn man Hartmut nicht kennt, hat man was verpasst. Ich lernte ihn schon kennen, bevor ich ihn überhaupt sah. „Hartmut kommt“ – so hieß es bei uns im Verein schon Wochen vor dem ersten Training, welches ich mit ihm absolvieren konnte

 

Ich war erst wenige Wochen im Pfeil Broistedt aktiv und mühte mich damit ab, die Pfeile auf der Scheibe zu platzieren anstatt diese ins Netz daneben zu schiessen. Insofern war es mir eigentlich zu diesem Zeitpunkt völlig egal, wer Hartmut ist und ob er nun zum Training kam oder nicht. Was wollte er mir denn auch zeigen, was ich besser machen könnte? Ausserdem konnte ich mir unter einem Trainer für Bogensport auch nichts Richtiges vorstellen. Was sollte denn das werden? Bei einem Fußballtrainer, Handballtrainer oder auch Tennis- Trainer konnte ich mir den Sinn ja noch vorstellen. Die zeigen einem, wie es geht, indem sie etwas vormachen. Aber ein Bogenschützentrainer? Will der dann meinen Bogen nehmen und mit meinen Pfeilen schiessen? Und was soll mir das denn nützen, wenn er selbst mit meinem Bogen gut schiesst...... und ich dann wieder dann daneben! Also war es mir damals auch ziemlich egal, ob Hartmut nun zu uns kommt oder nicht.

 

Aber dann war er da, ich zu diesem Zeitpunkt auch, also nahm ich an der Veranstaltung teil. Ich dachte, na dann mal los, Hartmut, zeig uns allen, was Du drauf hast, schieß 6 Pfeile und treff die 60 Ringe. Und was passiert? Nichts dergleichen.

 

Hartmut erklärt uns – wie die richtige Standstellung ist (als wenn das dem Bogen etwas ausmachen würde) und wie man die Atemtechnik beherrschen sollte (so ein Blödsinn, ich will doch nicht unter Wasser Bogen schiessen)

 

Ausserdem sollten wir beim Techniktraining weg von der 18 Meter Linie hin zur 5 Meter Linie (ah ja, wusste ich doch, dass hier etwas faul ist, da kann ja jeder die 10 treffen) Na ja, dann machen wir das mal. Aber wo ist denn die Auflage? „Brauchen wir nicht“, sagt Hartmut. (Na ja dann, kann ich erst recht treffen)

 

Hartmut bleibt ruhig. Er erklärt uns den Aufbau, zeigt uns, wie wir die Vorspannung ziehen, dann, wie wir ankern sollen und einen Spannungsaufbau betreiben. Dann sollen wir schiessen, aber nach Möglichkeit mit Augen zu. (Was dieser Blödsinn nun soll, verstehe ich erst recht nicht, dann sieht man ja nicht, wo die Pfeile landen)

 

„Genau das ist der Sinn der Übung“ sagt Hartmut, denn dann, wenn wir uns auf das, was wir tun sollen, konzentrieren, schiessen wir auch immer wieder eine Passe in gleicher Stellung. „Eine Passe in gleicher Stellung?“ Kann der Mann denn kein Deutsch? „Eine Passe ist immer eine gewisse Anzahl von Pfeilen“, klärt mich Hartmut auf und wenn diese nach Möglichkeit direkt beieinander treffen, ist es ideal! „Na also, erklär dass doch gleich richtig“, denke ich, mache einfach mal das, was Hartmut sagt, und siehe da, die Pfeile landen zwar irgendwo auf der Scheibe, sind aber alle dicht beieinander.

 

Na, wenn das so ist, ist Bogenschiessen doch ganz einfach. Also nun mal los, die Auflage drauf und wiederholen. Der zweite Versuch,. Das selbe Ergebnis. Toll, denke ich, ist doch ganz einfach. Warum die immer so reden, dass Bogenschiessen eine der schwersten Sportarten, gleichzustellen mit Golf sein soll, verstehe ich nicht. Ausserdem, was soll denn an Golfspielen so schwierig sein? Einen Ball quer über den Rasen zu schlagen, kann doch auch nicht so schwierig sein, schließlich haben wir doch alle auch schon einmal mit Erfolg Minigolf gespielt.

 

Nun ja, da dass mit der gleichen Stellung ja nun klappt, können wir ja auch mal aus größerer Entfernung probieren. Dürfte ja nicht wesentlich schwerer sein. Also zurück zur 18 Meter Linie. Also, Vorspannung, durchziehen, ankern, lösen und ...... ein M. Verstehe ich jetzt nicht. Eigentlich habe ich doch alles richtig gemacht, denke ich.

Hartmut lacht. Aber nicht aus Schadenfreude, sondern aus tiefsten Herzen. Er greift nicht zum Bogen, ist nicht der Besserwisser, sondern erklärt jungen Anfängern wie mir systematisch und in ruhiger Art und Weise, wie Bogensport funktionieren könnte. Er ist kein Besserwisser und auch nicht der Typ, der wie so mancher Fussballtrainer tobend an der Seitenlinien herumläuft. In seiner ruhigen Art und Weise erklärt er die Grundzüge und achtet darauf, dass die Anfänge richtig trainiert werden. „Der Erfolg kommt durch das ständige Training“, gibt mir Hartmut noch mit auf den Weg. „Je öfter Du trainierst, desto besser werden Deine Leistungen. Also gehört auch Disziplin dazu“, erklärt er weiter.

 

Ich durfte Hartmut noch einige Male erleben, wenn er unseren Verein trainierte. Dazu muss man sagen, das er kein Mitglied im Pfeil Broistedt, sondern sogar als Vorstandsvorsitzender einem anderen Verein angehört und zwar dem wohl (noch derzeit- bis wir dann dran sind) erfolgreichsten Verein im Kreis Peine, dem BSC Clauen. (Wahrscheinlich wurden die ganz schön sauer, als er uns mehrmals trainierte und sie Angst hatten, dass wir sie beim nächsten Turnier schlagen)

 

Hartmut hat unserem Verein viel gebracht. Die Trainingseinheiten waren stets gut besucht. Er wusste aber auch früh genug, wann er sich wieder anderen Aufgaben widmen musste und wir selbst sehen müssen, wie wir klarkommen. Und das ist auch gut so. In unserem Verein entwickelten sich die Leistungen von Jahr zu Jahr besser. Immer dann, wenn wir uns auf einem Turnier oder bei passender Gelegenheit sehen, necken wir ihn, indem wir seinem Verein „den Kampf ansagen“. In seiner gewohnten Art und Weise lächelt er dann still in sich hinein. „Aber wehedem, wenn es dann doch mal passiert und wir „seinen Verein“ schlagen werden. Dann musst Du zahlen, lieber Hartmut. Eine Kiste Bier, ein halbes Schwein und eine Tube Senf, soviel ist sicher. Aber bis dahin wird es wohl noch etwas dauern.

 

Ja, das ist die kurze Geschichte über Hartmut. Es klingt wie eine Legende, er ist aber keine. Nur dann, wenn man versucht, ihn telefonisch zu erreichen, könnte man glauben, er wäre eine. Zurückrufen tut er nämlich erst nach dem ...... x- ten Versuch (wenn überhaupt). Also habt Geduld... und Ausdauer. Hartmut bringt es einem schließlich bei.