11.11.2007 – Karnevalsbeginn in Köln. Und was mache ich? Ich fahre zu meiner ersten Vereinsmeisterschaft zum FC Pfeil Broistedt zum Bogenschiessen. „Ich muss ja wohl nicht ganz gerattert sein“ denke ich auf der Fahrt von Lahstedt über Lengede bis hin zur Sporthalle in der Grundschule in Broistedt. Ein guter Kumpel und Partner unserer Firma feiert jetzt mit den Jecken beim Bier und guter Laune in Köln und ich mühe mich mit Pfeil und Bogen in der Turnhalle. Na prima.

 

In der Grundschule angekommen, erwarten mich auch schon die verschiedenen Mitglieder, Michael, Andreas, Andrea, Kirsten, Maik, Oliver, Carsten..... alle scheinen sich auf diese Meisterschaft zu freuen. Alle sind auch schon begeistert am Aufbauen. Die Scheiben steht schon, das Netz wird in der Halle gespannt, die Bögen werden mustergerecht zusammengeschraubt. Das alles macht auf mich schon einen fast beängstigen Eindruck. VEREINSMEISTERSCHAFT! Ein böses Wort. Bisher habe ich nur immer mit den Mitgliedern des Vereins trainiert, gelacht, nach dem Bogenschiessen gemütlich ein Bier getrunken. Niemals kam so etwas auf wie Konkurrenzkampf. Und nun das: VEREINSMEISTERSCHAFT!. Wir küren einen „Vereinsmeister“ --- oder was?

 

Die anderen verhalten sich – mir völlig unverständlich – gelassen und so natürlich wie zu den Trainingszeiten. Hallo Leute???? Es ist VEREINSMEISTERSCHAFT !!!!! Konkurrenzkampf !!!! Kampf ist angesagt !!!!! Titel, Plätze wollen erobert werden. Und alle sind so normal wie immer ?????

 

Michael als Spartenleiter teilt uns in die verschiedenen Startplätze auf. Er erklärt noch einmal die Regeln und wünscht alle ins Gold? Was meint er nur damit? 12 Pfeile dürfen wir zur Probe schiessen, sagt er, und dann geht es los. Also gut. Ich schiesse meine ersten 3 Pfeile.... und toll, alle landen auf der Scheibe. Bei den anderen aber auch. Mist. Die nächsten 3 Pfeile werden geschossen. Einer geht daneben, die anderen treffen. Wieder Mist. Aber es sind ja noch Probepfeile. Die nächsten 3 Pfeile treffen ihr Ziel, ich schaue auf die anderen Scheiben der Bogenschützen und deren Pfeile sind besser platziert. Wieder Mist. Die letzten 3 Pfeile stehen bevor. Es muss an meinem Bogen liegen, denke ich. Also schraube ich an meiner Einstellung des Visiers und schiesse. Der erste Pfeil. Daneben. Mist. Also schraube ich zurück. Der nächste Pfeil trifft voll in die 9. Na endlich, denke ich, jetzt kann ich starten. Der letzte Probepfeil. Durchatmen, zielen, lösen.... verrissen, der Pfeil verfehlt sein Ziel. Wieder Mist.

 

Der Wettkampf beginnt. Ich denke an meinen Kumpel, der jetzt sicherlich auch ins Gold treffen möchte, aber in Köln beim Karneval an diesem Tag mehr Chancen hat als ich.

 

Keiner der anderen anwesenden Bogenschützen scheint nervös zu sein. Hallo? Es ist VEREINSMEISTERSCHAFT...... und schließlich stehen wir in einem Konkurrenzkampf. Also benehmt euch auch so. Keiner macht Anstalten, sich als Konkurrenten des anderen aufzuführen. Mist.

 

Die ersten Wertungspfeile fliegen... und eigentlich ist es so, wie im Training. Es wird geschossen, ausgewertet, miteinander gequatscht, die Frauen unterhalten sich über den gestrigen Tag, die Männer über Fussballergebnisse. Nach 30 Pfeilen ist Halbzeit und es erfolgt eine Pause. Es herrscht immer noch kein Konkurrenzkampf, die Leute unterhalten sich über die letzten Passen. Einige freuen sich über die erreichten Ergebnisse, andere meinen, dass es wohl kein guter Tag sei. Konkurrenzkampf? – nicht feststellbar.

 

So langsam werde ich ruhiger. Was bedeutet eigentlich die Vereinsmeisterschaft. Man erklärt mir, dass die Vereinsmeisterschaft die Vorbereitung zur Kreisverbandsmeisterschaft ist. Wenn keine Vereinsmeisterschaft geschossen wird, kann man nicht an der Kreisverbandsmeisterschaft teilnehmen. Ah ja, denke ich, habe ich denn gesagt, dass ich an der Kreisverbandsmeisterschaft teilnehmen will? Für die anderen scheint das aber ganz normal zu sein. Ein neuer Sport- neue Erlebnisse, neue Regeln, ich muss wohl noch viel lernen.

 

Die zweite Halbzeit beginnt. Wieder schiessen wir in 2 Reihen hintereinander und wieder fliegen die Pfeile Richtung Scheiben. Mal treffe ich, mal nicht. In dem ersten halben Jahr meiner Mitgliedschaft im Pfeil Broistedt war ich nicht dauernder Gast beim Training. Alle sagen mir, dass meine Ergebnisse gar nicht so schlecht sind. Nach weiteren 30 Pfeilen ist der Wettkampf beendet.

 

Die Auswertung beginnt. Es wird in Jugend, Schützen, Alters,- und Damenklassen gewertet. Die Siegerehrung erfolgt. Ich bin in meiner Klasse auf Platz 6 gelandet – mit insgesamt 297 Ringen. In meiner Klasse bin ich Letzter. Mist, denke ich. In der Damenklasse ist Kirsten Letzte geworden. Aber sie strahlt. Warum strahlt sie? Es ist doch Mist, letzter zu sein, denke ich. Michael verteilt die Medaillien. Der erste, zweite und dritte Sieger erhält eine Auszeichnung. Mist, denke ich, hätte ich auch gern. Dafür muss ich wohl noch viel üben. Aber na ja. Zum Schluss werden Kirsten und ich aufgerufen. Wir erhalten keine Medaille, sondern einen Kaffeebecher mit Schokolade. Jetzt weiß ich, warum Kirsten so gestrahlt hat. Es ist Mist, 4.ter oder 5ter zu sein, die haben nämlich nichts erhalten. Wir hingegen erhalten für den letzten Platz noch Geschenke. Toll, denke ich, diesen Sport werde ich weiter ausüben.

 

Meine erste Vereinsmeisterschaft liegt hinter mir. Die Mitglieder sind immer noch so, wie ich sie kennen gelernt habe. Nett, ohne Neid auf die vielleicht besseren Ergebnisse des Kollegen, aber doch stets bemüht, selbst besser zu werden.

 

So mag ich den Verein.... und ich bin stolz, dabei zu sein.